Pfadnavigation
- Startseite
- Tennis
- Rafael Nadal: „Heute mit weniger Schmerzen zu leben, ist mein größter Sieg“
Fabian Herling
Oktober 01, 2026
Tennis
Fabian Herling
Oktober 01, 2026
Rafael Nadal: „Heute mit weniger Schmerzen zu leben, ist mein größter Sieg“
Grand-Slam-Champion, Olympiasieger, Sandplatzkönig: Rafael Nadal ist einer der besten Tennisspieler der Geschichte. Im Interview spricht der Spanier über sein neues Leben als Geschäftsmann, Alexander Zverev – und den größten Sieg nach seiner Karriere.
Credit: PR
Sports Illustrated 04/26 – Mythos Wimbledon
Sports Illustrated 04/26 – Mythos Wimbledon
Mythos Wimbledon
Zwischen heiligem Rasen, ewigen Legenden und der Macht der Tradition: Was das bedeutendste Tennisturnier der Welt so faszinieren macht.
ab ...
Auf Lager
Jetzt bestellen
- Tennis: Rafael Nadal im exklusiven Interview
- Rafael Nadal: „Heute mit weniger Schmerzen zu leben, ist mein größter Sieg“
- Nadal über die ATP-Tour, Alexander Zverev und sein neues Leben als Geschäftsmann
Sports Illustrated: Herr Nadal, kennen Sie das Spiel Monopoly?
Rafael Nadal: (lacht.) Ja, als Kind habe ich das gern gespielt. Es war aber gar nicht so leicht, ein Spiel zu Ende zu bringen, da das immer unglaublich lange dauerte und Geduld nicht meine allergrößte Stärke war. Ich ahne aber, worauf Sie hinauswollen.
Sports Illustrated: Genau wie in Monopoly sind Sie ins Hotelgewerbe eingestiegen, haben gemeinsam mit dem spanischen Unternehmen Meliá das Hotelkonzept ZEL entwickelt und kürzlich den vierten Standort eröffnet. Wie kommt’s?
Nadal: Ich komme aus Mallorca, wo der Tourismus der wichtigste Wirtschaftszweig ist und Gastfreundschaft ganz selbstverständlich zum Leben dazugehört. Deshalb war es für mich ein naheliegender Schritt, in diesen Bereich zu investieren. Zudem stammt Meliá ebenfalls aus Mallorca, ich kenne Gabriel Escarrer, den Chairman und CEO, schon seit vielen Jahren. Wie wir dann auf ZEL kamen, ist allerdings doch etwas kurios.
Sports Illustrated: Erzählen Sie.
Nadal: Wir trafen uns zum Mittagessen. Während des Gesprächs begannen wir, auf einer Serviette aufzuschreiben, was uns an Hotels gefällt – und was nicht. So entstand die Idee für dieses Projekt.
Sports Illustrated: Und nun ist Ihr Ziel, im Hotel-Business genauso erfolgreich zu werden wie im Tennis? Immerhin gewannen Sie 22 Grand-Slam-Titel.
Nadal: Wenn ich bald unser 22. Hotel eröffnen dürfte, wäre das definitiv eine Leistung (lacht). Im Ernst: In einer so wettbewerbsintensiven Branche eine neue Marke aufzubauen, ist alles andere als einfach. Anfang 2027 werden wir voraussichtlich bereits sieben Hotels betreiben. Dieses Geschäft macht mir große Freude. Für mich ist es eine Chance, ständig dazuzulernen und mich weiterzuentwickeln.
Nadal gewann in seiner Karriere 22 Grand Slams – darunter allein 14 mal die French Open
Credit: Getty Images
x/x
Sports Illustrated: Wenn Sie einen Ihrer früheren Tennis-Rivalen in eines Ihrer Hotels einladen müssten – wer wäre es?
Nadal: Egal ob Roger Federer, Novak Djokovic oder Andy Murray – alle sind herzlich willkommen. Sie haben meine Handynummer und können mich jederzeit anrufen, wenn ihnen der Sinn nach ein paar Tagen Urlaub steht (lacht).
Sports Illustrated: Sie sind einer der erfolgreichsten Tennisspieler aller Zeiten, Ihr Spiel galt über Jahre als das extremste und intensivste auf der Tour. Wie geht es Ihnen heute? Hat der Sport bleibende Schäden hinterlassen?
Nadal: Mir geht es gut. Vor einiger Zeit musste ich mich an der Hand operieren lassen, seitdem bin ich aber weitgehend schmerzfrei. Ich bin glücklich mit meinem Leben und genieße jeden Tag – sowohl meine Arbeit als auch die Zeit, die ich mit meiner Familie verbringen kann.
Sports Illustrated: Spielen Sie ab und zu noch Tennis?
Nadal: Kaum, seit meinem Karriereende habe ich vielleicht vier- oder fünfmal gespielt. Die Chance, mich auf dem Golfplatz zu treffen, ist mittlerweile deutlich größer.
Sports Illustrated: Wie intensiv verfolgen Sie die ATP-Tour?
Nadal: Nicht ständig, aber ich schaue die großen Turniere und Matches. Den Weg von Alexander Zverev habe ich aus persönlichem Interesse immer besonders verfolgt und mich sehr über seinen ersten Grand-Slam-Sieg gefreut.
Credit: Getty Images
x/x
Sports Illustrated: Was war aus Ihrer Sicht der Schlüssel?
Nadal: Das Wichtigste war, dass er sich bei den Grand Slams immer wieder in eine gute Position gebracht und viele Viertel- und Halbfinals erreicht hat. Wenn du dann konstant dranbleibst, erhöht sich die Chance, dass es irgendwann zum Titel reicht. Aus unterschiedlichen Gründen hat es bei Sascha die Jahre zuvor nicht geklappt: Manchmal lag es an ihm selbst, mal war der Gegner einfach besser, dann kamen Verletzungen dazwischen. Rein von seinem Tennisspiel her hätte er eigentlich schon viel früher einen Grand-Slam-Titel gewinnen müssen. Umso größer ist die Leistung, nie aufzugeben und es immer wieder zu versuchen.
Sports Illustrated: Was kann dieser Titel für sein Selbstvertrauen bedeuten?
Nadal: Er wird freier aufspielen und noch mehr an sich selbst glauben können. In den entscheidenden Momenten der Matches wird er vermutlich weniger nervös sein und weniger zweifeln. Das sollte ihm die Freiheit geben, noch mutiger an die nächsten Turniere heranzugehen. Vom spielerischen Niveau her besitzt er absolut das Potenzial, noch mehr Grand Slams zu gewinnen. Dieser Erfolg kann für ihn ein wichtiger Schritt nach vorn sein.
Sports Illustrated: Wie sehr verändert ein Grand-Slam-Sieg einen Menschen?
Nadal: Entscheidend ist, wie man danach damit umgeht. Wenn man viele Jahre für so ein großes Ziel gekämpft hat, ist es ganz normal, sich zunächst etwas zu entspannen. Das ist total menschlich. Entscheidend ist aber, trotzdem nicht lockerzulassen, sondern sich stattdessen zu sagen: Jetzt habe ich es endlich geschafft. Also arbeite ich weiter und verschaffe mir noch mehr Chancen. Wenn Sascha das gelingt, kann dieser Titel der Beginn von etwas Großem sein.
Sports Illustrated: Und dennoch wird die Tour heute hauptsächlich von Jannik Sinner und Carlos Alcaraz geprägt. Viele vergleichen ihre Rivalität bereits mit der zwischen Ihnen, Roger Federer und Novak Djokovic. Trauen Sie den beiden zu, den Tennissport ähnlich nachhaltig zu prägen?
Nadal: Beide leisten momentan Außergewöhnliches, aber sie müssen dieses Niveau über viele Jahre halten. Dabei wird vieles davon abhängen, wie ihre Körper die Belastung verkraften, wie stabil sie mental bleiben und welche jungen Spieler in den nächsten Jahren nachkommen. Im Moment sind die beiden die besten Spieler auf der Tour – wie lange das aber so bleiben wird, kann niemand sagen.
Nadal galt während seiner Karriere als Sandplatzkönig
Credit: Getty Images
x/x
Sports Illustrated: Welche Gedanken und Emotionen kommen Ihnen, wenn Sie auf Ihre eigene Karriere zurückblicken?
Nadal: Vor allem Dankbarkeit. Tennis und das Leben haben mir unglaublich viel gegeben. Ich hatte das große Glück, meine Zeit einer Sache widmen zu dürfen, die ich von Herzen liebe, und all das zu erleben, wovon ich als Kind geträumt habe. Am Ende war meine Karriere erfolgreicher, als ich es mir jemals hätte vorstellen können.
Sports Illustrated: Wie war der Übergang vom Profisport in ein normales Leben für Sie?
Nadal: Sehr angenehm. Natürlich muss man vorsichtig sein, wenn sich das eigene Leben so grundlegend verändert. Ich habe über 20 Jahre lang alles dem Sport untergeordnet, das ist ein enormer Einschnitt. Aber mein Leben besteht aus vielen positiven Dingen. Ich habe meine Familie, viele spannende Projekte und ständig neue Aufgaben.
Sports Illustrated: Was war die größte Herausforderung seit Ihrem Karriereende?
Nadal: Die Organisation meines Terminkalenders. Als Profi war mein Alltag komplett strukturiert. Ich stand morgens auf und wusste ganz genau, was als Nächstes passiert: Training, Matches, Regeneration – jeder Tag folgte einer festen Routine. Heute ist das völlig anders. Meine größte Herausforderung besteht heute darin, meinen Kalender sinnvoll zu organisieren und meine Zeit möglichst effizient zu nutzen. In den vergangenen Monaten war ich praktisch jede Woche unterwegs und nur selten zu Hause – genau das möchte ich in den kommenden Jahren besser hinbekommen.
Sports Illustrated: Und was Ihr größter Sieg?
Nadal: Das ist einfach: dass ich heute mit deutlich weniger Schmerzen lebe. Wenn man jeden Morgen mit Schmerzen aufwacht, ist das körperlich und mental unglaublich belastend. Das ging bei mir über viele Jahre so. Heute habe ich diese Probleme glücklicherweise kaum noch. Und das ist für mich wahrscheinlich das Wertvollste überhaupt.
Nach seinem Karriereende setzt sich Nadal noch intensiver in seiner Academy auf Mallorca ein
Credit: PR
x/x
Sports Illustrated: Ein weiterer Sieg dürfte für Sie auch der Erfolg Ihrer Rafa Nadal Academy sein, die Sie 2016 auf Mallorca gegründet haben.
Nadal: Ich kenne diese Welt seit meiner Kindheit und bin fest davon überzeugt, dass Bildung und Sport eng zusammengehören. Unsere Aufgabe ist es, jungen Menschen nicht nur sportliche Fähigkeiten zu vermitteln, sondern sie auch mit positiven Werten auf das Leben vorzubereiten. Genau darin sehe ich die eigentliche Mission unserer Akademie. Natürlich freuen wir uns aber auch über den Erfolg: Angefangen hat alles als kleines Projekt, heute beschäftigen wir allein auf Mallorca mehr als 650 Mitarbeiter in Vollzeit. Darauf bin ich sehr stolz.
Sports Illustrated: Kommt es für Sie dann überhaupt infrage, eines Tages als Coach auf die Tour zurückzukehren?
Nadal: Man sollte im Leben niemals nie sagen, aber im Moment habe ich das definitiv nicht vor. Wie ich bereits erzählt habe, war ich in den vergangenen Monaten praktisch ohne Unterbrechung unterwegs. Das würde noch schlimmer werden, wenn ich als Trainer arbeiten würde. Ich habe jede Sekunde auf der Tour genossen, jetzt ist es aber an der Zeit, ein neues Kapitel meines Lebens zu schreiben.
Tennis
Rafael Nadal
Interview
Alexander Zverev
Hotels
Grand Slam
Karriereende
ATP
SI Recommends
Swimsuit Recommends
Wimbledon
Wimbledon
Sascha Zverev exklusiv über Grand-Slam-Sieg: „Das kann mir keiner mehr nehmen“
Deutschlands Tennis-Star Alexander Zverev im exklusiven Interview über seinen Grand-Slam-Triumph von Paris, Druck und Nervosität während des Turniers – und seinen neuen Hund.
US Open
US Open
Coco Gauff: „In erster Linie bin ich der Mensch Coco Gauff“
Coco Gauff hat bereits zwei Grand-Slam-Titel gewonnen und zählt zu den wichtigsten Stimmen ihrer Generation. Im Interview spricht sie über mentale Herausforderungen, Haltung – und warum Erfolg nur dann ein Leben verändert, wenn man es zulässt.
Tennis
Tennis
Yannick Hanfmann: "Der beste Tennisspieler ist Djokovic – der größte Federer"
Yannick Hanfmann spricht über Zweifel auf seinem Weg zum Tennisprofi, seine Zukunft auf der ATP Tour und große Ziele. Außerdem erklärt der 34-Jährige, was Zverev so stark macht und warum Federer für ihn größer als Djokovic ist.