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Dirk Adam
Mai 20, 2026
Leichtathletik
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Mai 20, 2026
Speerwurf-Star Johannes Vetter: "Ich möchte nochmal zeigen, was in mir steckt"
Speerwerfer Johannes Vetter kämpft sich nach Jahren voller Verletzungen und Rückschläge zurück. Im Interview spricht der Ex-Weltmeister über sein Comeback, neue Ziele, mentale Tiefpunkte und den Traum von Olympia 2028.
Credit: Imago
- Sperwerfer Johannes Vetter im Sports-Illustrated-Interview
- Johannes Vetter arbeitet weiter an seinem Comeback
- Vetter will sich verbessern und träumt von Olympia 2028
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Sports Illustrated: Nach knapp zwei Jahren voller Rückschläge und Operationen: Welche Fortschritte spüren Sie aktuell bei sich – körperlich, technisch und mental?
Johannes Vetter: Technisch sind wir noch lange nicht da, wo wir hinwollen. Das haben auch die Halleschen Werfertage nochmal gezeigt. Ich hatte gehofft, direkt mit 80 Metern plus einsteigen zu können, das hat knapp nicht gereicht. Das war natürlich schade, aber gleichzeitig auch eine wichtige Benchmark, auf der wir jetzt aufbauen können. Körperlich geht es mir eigentlich ganz gut. Klar gab es in den vergangenen Jahren einige Baustellen, aber wir haben im Training mittlerweile einen guten Plan gefunden, um damit umzugehen. Ich bin jetzt 33 Jahre alt und habe 28 Würfe über 90 Meter in meinem Körper – nur Wettkämpfe gerechnet, Training noch gar nicht mit einbezogen. Ich bin viele Jahre konstant ans Limit gegangen, und das merkt man mit Anfang bis Mitte 30 natürlich irgendwann. Deshalb muss man heute noch genauer auf den Körper achten. Mental war das vergangene Jahr definitiv ein Tiefpunkt. Umso dankbarer bin ich, dass ich weitergemacht habe und ein so gutes Team um mich herum habe. Auch die Unterstützung durch meinen Arbeitgeber, die Bundeswehr, gibt mir enormen Rückhalt. Dafür bin ich sehr dankbar.
Sports Illustrated: Sie haben WM, EM und Olympia verpasst – gab es Momente, in denen Sie ernsthaft ans Karriereende gedacht haben?
Vetter: Der Sommer im vergangenen Jahr war schon hart. Nach der Ellenbogen-Operation hatte ich gehofft, 2025 zumindest wieder Wettkämpfe bestreiten zu können, um zu sehen, wo ich stehe. Aber der Weg zurück war schwieriger als gedacht und das hat schon Spuren hinterlassen. Trotzdem war der Ehrgeiz immer noch groß genug, nochmal etwas Handfestes zu erreichen. Deshalb war für mich klar: Wir ziehen weiter durch. Natürlich schaut man in solchen Phasen auch mal über den Sport hinaus. Ich habe mich zum Beispiel stark im Wahlkampf in Baden-Württemberg engagiert und baue gerade ein Haus. Das waren Themen, die mich ebenfalls beschäftigt haben. Langweilig wurde mir also auch abseits des Sports nicht.
Sports Illustrated: Ihr erstes Comeback im Sommer 2025 endete vorzeitig. Was ist in diesem Jahr anders?
Vetter: Wir sind diesmal deutlich besser durch die Vorbereitung gekommen und weitgehend verletzungsfrei geblieben. Klar gibt es immer mal wieder kleinere Probleme mit der Schulter, aber das haben wir aktuell gut im Griff. Jetzt geht es vor allem darum, Wettkampfroutine zu sammeln und gute Trainingseinheiten zu absolvieren, auf denen ich aufbauen kann. Technisch fehlt aktuell noch etwas, um die vorhandenen physischen Fähigkeiten komplett auf den Speer zu übertragen. Da müssen wir weiter feilen, aber wir haben einen klaren Plan für die nächsten Wochen und ich bin optimistisch, dass wir das hinbekommen.
Sports Illustrated: Viele Athleten sprechen nach langen Verletzungen von Angst vor dem nächsten Rückschlag. Wie stark begleitet Sie dieses Gefühl?
Vetter: Eigentlich nicht. Ich versuche sehr im Hier und Jetzt zu leben und mich auf das zu konzentrieren, was ich beeinflussen kann – also Training und Alltag. Es bringt nichts, ständig darüber nachzudenken, was morgen passieren könnte. Natürlich kann immer etwas passieren. Ich könnte später auch beim Einkaufen die Treppe runterfallen und die Saison wäre vorbei. Aber wenn man mit dieser Angst jeden Tag lebt, braucht man gar nicht erst aus dem Haus zu gehen. Deshalb versuche ich, von Tag zu Tag zu denken und meinen Fokus klar auf das zu richten, was vor mir liegt.
Speerwerfer Johannes Vetter
Credit: Imago
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Sports Illustrated: Sie halten mit 97,76 Metern einen der beeindruckendsten deutschen Leichtathletik-Rekorde überhaupt. Denken Sie heute noch in solchen Dimensionen – oder geht es inzwischen vor allem darum, gesund zu bleiben?
Vetter: Es freut mich, dass du das so sagst, weil das manchmal tatsächlich etwas untergeht – auch bei mir selbst. Aber ich lebe sehr im Hier und Jetzt. Und aktuell stehen eben 78 Meter in diesem Jahr auf dem Papier. Das entspricht natürlich noch nicht meinem Anspruch. Trotzdem macht es natürlich stolz, sich die Bilder und Videos von damals anzuschauen. Das war etwas Besonderes. Aber momentan zählt für mich vor allem, wieder Schritt für Schritt Fortschritte zu machen.
Sports Illustrated: Was haben diese schwierigen Jahre mit Ihnen als Mensch gemacht – abseits des Sports?
Vetter: Ich glaube, Herausforderungen verändern jeden Menschen. Da gibt es ja diesen Satz: „Challenges change you.“ Egal ob Leistungssportler, Journalist oder Arbeitnehmer – jeder hat im Leben seine Herausforderungen. Und daran wächst man. Ich glaube, ich habe dadurch eine gewisse Resilienz entwickelt. Ich versuche, meinen eigenen Weg zu gehen und mich nicht verrückt machen zu lassen. Gleichzeitig weiß ich natürlich auch, dass man irgendwann Konsequenzen ziehen muss, wenn etwas nicht mehr funktioniert. Aber ich bin immer noch Leistungssportler durch und durch und genieße dieses Privileg sehr. Ich möchte einfach nochmal zeigen, was in mir steckt.
Sports Illustrated: Wie schwer war es, große Ereignisse wie die Olympischen Spiele 2024 nur vor dem Fernseher verfolgen zu können?
Vetter: Ehrlich gesagt war das gar nicht so schlimm, weil mein Fokus direkt auf der Reha nach der Ellenbogen-Operation lag. Olympia war in dem Moment abgehakt und mein neues Ziel war es, möglichst schnell wieder gesund zu werden. Natürlich habe ich die Spiele verfolgt, aber meine Priorität war nicht, darüber nachzudenken, dass ich nicht dabei bin, sondern alles dafür zu tun, wieder fit zu werden. Ich glaube, ich kann meinen Fokus ziemlich gut auf das richten, was gerade am wichtigsten ist.
Sports Illustrated: Mit 33 Jahren gehören Sie inzwischen zu den erfahrenen Athleten der Szene. Hat sich Ihr Blick auf Leistung und Erfolg verändert?
Vetter: Ich habe grundsätzlich einen sehr starken Fokus auf mich selbst und mein Team. Es bringt mir nichts, ständig nach links und rechts zu schauen. Ich kann weder die Erfolge noch die Misserfolge anderer beeinflussen – nur meine eigenen. Deshalb konzentriere ich mich voll auf meine Arbeit mit dem Trainerteam und den medizinischen Betreuern. Auch Erfolg definiere ich heute vielleicht anders. Früher waren es 97 Meter, heute wäre es für mich schon ein großer Erfolg, wieder konstant über 80 Meter zu werfen. Ich versuche, mich an kleinen Fortschritten zu orientieren – an guten Trainingseinheiten oder kleinen Verbesserungen im Wettkampf. Aus vielen kleinen Teilerfolgen können dann wieder größere Ziele entstehen.
Sports Illustrated: Bei den bisherigen Wettkämpfen in diesem Jahr wirkte es so, als hätten Sie wieder Freude am Wettkampf gefunden. Haben Sie den Spaß am Sport neu entdeckt?
Vetter: Neu entdeckt habe ich den Spaß nicht. Ich gehe einfach wahnsinnig gerne ins Training. Ich quäle mich gerne und kann dort auch mal Emotionen rauslassen. Vielleicht verstehen viele Menschen das heute besser, gerade nach meinem langen Leidensweg. Wir Athleten sind eben keine Maschinen. Jeder trägt sein eigenes Päckchen mit sich herum. Und ich glaube, genau das macht Sport und Athleten auch authentisch. Ich liebe diesen Sport einfach und bewege mich unglaublich gerne. Vielleicht schätze ich das heute noch bewusster wert als früher.
Sports Illustrated: Wenn Sie auf die kommenden Jahre schauen: Wovon träumt Johannes Vetter?
Vetter: Mein nächstes großes Ziel ist es, wieder die 80 Meter zu werfen. Und wenn danach vielleicht auch 83 Meter möglich sind und ich noch auf den Zug Richtung EM aufspringen könnte, wäre das ein riesiger Erfolg für mich. Aber aktuell geben mir schon diese kleineren Ziele unglaublich viel Motivation. Wenn ich in den nächsten Wochen wieder die 80 Meter angreifen kann, würde mich das sehr stolz machen. Dann weiß ich, dass ich darauf weiter aufbauen kann.
Sports Illustrated: Haben Sie Olympia 2028 im Hinterkopf?
Vetter: Das ist aktuell noch sehr weit weg. Wenn du mir heute schriftlich garantieren würdest, dass ich dort starten kann, würde ich sofort unterschreiben. Aber bis dahin liegen noch zwei Jahre intensives Training vor mir. Deshalb plane ich momentan wirklich von Woche zu Woche, von Wettkampf zu Wettkampf. Aber klar: Wenn ich dieses Jahr wieder über 80 oder vielleicht sogar über 83 Meter werfe, dann wird Olympia automatisch wieder mehr und mehr ein Thema werden.
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