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Nick Remsen
September 08, 2025
Cincinnati Bengals
Nick Remsen
September 08, 2025
Gucci-Outfits und Diamanten: Darum ist NFL-Star Joe Burrow eine Mode-Ikone
Sportler sind längst die neuen Stil-Ikonen - und Stars wie Joe Burrow, Quarterback der Cincinnati Bengals. Er glänzt nicht nur auf dem Feld, sondern auch daneben. Ein Treffen mit dem modebewussten NFL-Star.
Credit: Clay Patrick McBride
- Joe Burrow: So tickt der modebewusste Star-Quarterback der Bengals
- NFL: Burrow gehört zu den besten Spielmachern der Liga
- So kombiniert Joe Burrow Stil, Mode und American Football
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Es ist ein schwüler Junimorgen in Cincinnati. Der Rauch der Waldbrände im nahen Kanada hängt fast wie Nebel über der Stadt, durch die der Ohio River fließt. Obwohl die Sonne scheint, ist der Himmel grau statt blau. Selbst die geräumigen Flure des Paycor Stadium sind in der Hitze der Morgenstunden bereits warm. Seit drei Tagen halten die Bengals hier ihr Preseason-Minicamp ab. Als das Team das Feld verlässt und in die Umkleidekabinen geht, hört man einige Spieler durch die stehende, heiße Luft der Arenagänge brüllen. Vielleicht aus Erleichterung: Das Camp ist vorbei, es geht zurück in die Sommerpause.
Joe Burrow, der Pro-Bowl-Quarterback der Bengals, kommt als Letzter durch den Tunnel. Er war länger auf dem Feld geblieben, um noch ein wenig individuell zu trainieren. In den Katakomben stehen andere Medienvertreter, die vor allem Coach Zac Taylor löchern. Burrow weicht dem Pulk aus und fragt, ob man sich nicht lieber abseits des Trubels unterhalten wolle, im Gym vielleicht? Er müsse noch Gewichte stemmen.
Kulisse und Situation sind also durchaus ungewöhnlich – aber passend zum Gesprächsthema: Stil, Burrows ausgeprägte Vorliebe dafür und die Tatsache, dass Mode und Sport in den vergangenen Jahren immer engere Bande knüpfen. Joe Burrow ist einer der bekanntesten Vertreter dieser Synergie und einem bestimmten Publikum womöglich sogar eher für seine gewagten, lustigen und manchmal ausgefallenen Outfits bekannt als für seinen Wurfarm.
Mantel: Gucci, Shirt: John Varvatos, Shorts: Ohruv Kapoor, Tasche: Alo
Credit: Clay Patrick McBride
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Angekommen in den (glücklicherweise kühleren) Trainingsräumen des Paycor Stadium sitzt Burrow jetzt in der Beinpresse, drückt Hunderte Pfund an Gewichten und spricht zugleich über „Gucci-Outfits“ und den Trend „weg von klassischen Anzügen“. Was die Schnittstelle von Sport und Mode anbelangt: Hier dürfte sie liegen. Der 28-jährige Burrow hat mit seinem Stil, den er nicht definiert, sondern lieber offenhält und von seiner Stimmung abhängig macht, für Furore in der Modewelt gesorgt. „Mein Stil ändert sich von Tag zu Tag“, sagt er. „Ich wache auf, fühle eine Farbe und finde das Outfit, das zu meiner Stimmung passt.“ Sein Stil? Einfach „mein eigener“.
Unterstützung bekommt er trotzdem: Kyle Smith, einer von Burrows Stylisten, der seit 2024 auch als erster hausinterner Fashion-Redakteur der NFL arbeitet, sagt dazu nicht ohne ein Schmunzeln: „Joe liebt Farben auf eine Art, die ich nicht teilen kann. Aber es macht Spaß, herauszufinden, welche Farbe ihm heute gefällt.“ Smith fügt hinzu: „Er achtet nicht großartig darauf, was gerade angesagt ist oder was die anderen tragen, und das macht seinen Stil so einzigartig. Er macht sein Ding. Ich glaube, ein großer Teil von Joes Fans schätzt seinen Style. Oder zumindest seine Individualität, die sich durch seine Mode ausdrückt.“
Credit: Clay Patrick McBride
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Burrows Look ist vor allem instinktgeprägt: Zu einem Spiel trägt er einen gestrickten Hoodie mit Farbakzenten, zum nächsten eine schwere schwarze Lederjacke des italienischen Luxuslabels Bottega Veneta und wiederum zum nächsten eine Kombi aus Kapuzenjacke und Schlaghosen mit Regenbogenstreifen-Verzierungen. „Ich mag Dekorationen, Blumen, Schmetterlinge, all diese coolen Sachen“, sagt der NFL-Quarterback, der gern Schuhe des kalifornischen Designers Rick Owens trägt, der für seinen unorthodoxen Semi-gothic-Style bekannt ist. Diamanten und Schmuck an Burrow kommen oft von Leo Khusro aus Houston.
2022 postete Burrow ein Foto von sich in einem schwarzen Rollkragenpullover unter einem grau melierten Parka, im Gesicht eine randlose Sonnenbrille des französischen Schmuckhauses Cartier. Als Bildunterschrift bei Instagram diente ein Zitat aus dem Song „Yes Indeed“ von Drake und Lil Baby: „Cartier glasses, I won’t even peek at you.“ Das Bild bekam 1,6 Millionen Likes. Die Sonnenbrille schlug online Wellen und wurde seitdem zu seinem Markenzeichen. 2024 debütierte Burrow eine neue Frisur: kurz geschnittenes, platinblondes Haar, dem er laut eigener Aussage in Zukunft noch „etwas Pink hinzufügen möchte“. Dieser Style, „unapologetic“ und individuell, im Paket mit Burrows Gelassenheit auf dem Spielfeld und seinem entspannt-souveränen Auftritt abseits davon, brachte ihm einige äußerst lässige Spitznamen ein. Man nennt ihn: Joe Brrr, Joe Shiesty (zu Deutsch in etwa „schelmisch“) oder, am häufigsten, Joe Cool.
Dreht den Swag auf: Joe Burrow auf der Vogue World 2024 in Paris
Credit: Clay Patrick McBride
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Anna Wintour, Chief Content Officer von Condé Nast und Chefredakteurin der „Vogue“, die als die einflussreichste Persönlichkeit der Modebranche gilt, sagt: „Joe sieht immer toll aus. Er strahlt jede Menge Selbstbewusstsein aus und ist offen für Neues – das scheint ihm ganz natürlich zu liegen. Es war wunderbar, ihn bei der Met Gala dieses Jahr in Gucci zu sehen. Blau stand ihm gut.“ Die Met Gala ist die jährliche Benefizveranstaltung des Metropolitan Museum of Art, und Burrows Outfit im Mai bestand aus einem reiherblauen Zweireiher, leicht oversized, von Gucci, den er – genau – mit der für ihn mittlerweile typischen Cartier-Sonnenbrille kombinierte. Dass Anna Wintours Tochter Bee Carrozzini laut Wintour ein „fanatischer Bengals-Fan“ sei, dürfte das Urteil der Modesäulenheiligen dabei kaum beeinflusst haben.
Analytisch betrachtet ist Burrows Garderobe chamäleonartig, hat aber dennoch konstante Grundpfeiler: Sie ist vielfarbig, lässt seine muskulöse Statur meist nur erahnen und wirkt irgendwie nonchalant, gleichzeitig aber absolut selbstbewusst. „Meine Mutter war in der Modebranche tätig, als ich klein war“, sagt Burrow. „Ich bin also mit Mode aufgewachsen und war immer sehr wählerisch, was meine Kleidung anbelangt, zum Beispiel beim Shoppen der Schulklamotten. Ich hatte keine Ahnung, ich mochte einfach, wie sich bestimmte Kleidung anfühlte und aussah. Zugleich hatte ich kaum Selbstvertrauen, als ich klein war. Ich fühlte mich in meiner Haut ziemlich unwohl und war wohl eher still und sozial unbeholfen, also drückte ich mich über Farben und Kleidung aus.“
Trotz Burrows heutigen Status, seines Zugangs zu den großen Couturiers und des dokumentiert dicken Portemonnaies hat seine Mutter immer noch ein Auge für Klamotten, die ihrem Sohn gefallen könnten, und schickt sie ihm zu Weihnachten oder zum Geburtstag. Obwohl Burrow sagt, dass er sich bereits als Kind für ausdrucksstarke Kleidung interessierte, lief er 2020, in seinem ersten Profijahr, „nur in Anzügen zu den Spielen auf“, fühlte sich dabei aber, wie er sagt, „superunwohl“: „Ich mag es einfach nicht, diese Art Kleidung so oft zu tragen. Ich mochte es nicht, in einem Anzug ins Flugzeug zu steigen, drei Stunden lang dazusitzen und mich nicht wohlzufühlen.“
Jetsetter und NFL-Star: Joe Burrow bei einem Event in Cannes
Credit: Clay Patrick McBride
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Mit der Zeit befriedete Burrow dann, was er sein Bedürfnis nach „Utility“ nennt, und veränderte seinen Stil hin zu lässigeren und Streetwear-basierten Looks. Anzüge trägt er trotzdem noch, wenn auch gewissermaßen „modernisiert“. Ein Beispiel dafür ist ein rückenfreies Jackett des Designers Peter Do, das Burrow letzten Sommer bei einer von der „Vogue“ produzierten Modenschau in Paris trug und das für virale Diskussionen sorgte.
Seit Burrows Rookie-Jahr 2020 hat sich, was die Art und Weise anbelangt, wie Männer sich kleiden, geradezu ein Paradigmenwechsel vollzogen – und dessen sichtbarste Vorreiter sind nicht selten professionelle männliche Sportler. Viele bekennen sich zu einem individualistischen Stil und nutzen ihn, um ihre Persönlichkeit außerhalb des Spielfelds zu formen oder zu unterstreichen. Das Gleiche gilt natürlich auch für Sportlerinnen, aber generell ist Mode seit jeher enger mit Frauen assoziiert als mit Männern.
Wir befinden uns in einer noch frühen Phase, in der Menschen wie Burrow – oder NFL-Kollege Stefon Diggs, Fußball-Star Hector Bellerin oder Formel-1-Gigant Lewis Hamilton – mit auffälligen stilistischen Akzenten nicht nur ihren eigenen ästhetischen Vorlieben gerecht werden, sondern auch Blicke auf sich ziehen, die bisher nicht auf den Sport schielten, und so ein größeres Publikum ansprechen. Das rasante Wachstum der sozialen Medien während der Corona-Pandemie trug dazu bei, diese Entwicklung noch zu beschleunigen.
„Ich glaube, die jüngere Generation steht total darauf“, sagt Burrow. „Ich denke auch, dass die stilistische Vielfalt andere Zielgruppen anspricht. Dass mehr junge Frauen, generell Menschen, die zuvor vielleicht gar nichts mit Football am Hut hatten, darauf achten, was die Spieler im Tunnel tragen. Vielleicht sehen sie jemanden in einem Gucci-Outfit auf dem Weg zum Spiel und denken: ‚Oh, das ist ja megacool, wer ist das?‘ Und dann fangen sie an, sich zu interessieren. Ich glaube wirklich, dass das mehr Fans anzieht.“
T-Shirt: Zegna, Jacke und Hose: Nahmias
Credit: Clay Patrick McBride
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Mit den neu erschlossenen Demografien werden auch die großen Modehäuser hellhörig: Die Branche entdeckt wie nie zuvor den großen Nutzen (und Gewinn) eines Engagements im Sport. Das französische Modehaus Louis Vuitton gab im Juni bekannt, dass es neuer Partner der Männer- und Frauenteams von Real Madrid ist. Das britische Luxuslabel Burberry ist kürzlich in den Tennissport eingestiegen, hat Verträge mit den Topspielern Jack Draper und Tommy Paul unterzeichnet. Prada kleidete Caitlin Clark für den WNBA-Draft 2024 ein, während die US-Marke Coach in diesem Jahr einen Mehrjahresvertrag mit der WNBA als offizieller Handtaschenpartner abgeschlossen hat. Burrow selbst hat eine Partnerschaft mit der Premium-Sports-Brand Alo.
„Sportler dominieren derzeit den kulturellen Diskurs – sie sind unsere Helden, unsere Vorbilder, und sie definieren, was relevant ist“, sagt Anna Wintour. „Ich denke, das liegt daran, dass nichts mit der Spannung eines Livesportevents mithalten kann. Und Sportler haben oft das Selbstvertrauen, sich in andere Welten zu begeben – manchmal auch außerhalb ihrer Komfortzone.“
Als Fashion Editor der NFL ist Kyle Smith dafür verantwortlich, Inhalte für die Social-Media-Plattformen der Liga zu verwalten und zu kreieren, Spielern dabei zu helfen, ihren individuellen Stil zu finden, und Beziehungen zu Modemarken aufzubauen. Er stellt fest, dass viele Sportler – im Gegensatz zu Influencern oder „traditionellen“ Prominenten, die oft gesponserte Markenplatzierungen oder Leihgaben für Fotoshootings nutzen – ihre Kleidung für öffentliche Auftritte selbst kaufen. „In der NFL dürfen die Sportler nicht dafür bezahlt werden, im Tunnel für etwas zu werben. Daher ist das, was sie tragen, wie sie es tragen, authentisch“, sagt Smith. „Ich glaube, dass diese Authentizität genau das ist, wonach Konsumenten und Fans suchen. Sie wollen wissen, dass jemand wirklich an das Produkt glaubt. Ich halte das für eine starke Botschaft.“
T-Shirt: Zegna, Jacke: Nahmias
Credit: Clay Patrick McBride
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Für einige Fans von bisweilen noch immer als „Männersportarten“ begriffenen Disziplinen ist diese Zuwendung hin zur Mode – und damit die Abkehr von langjährigen Männlichkeitsidealen – oft nicht leicht zu akzeptieren. Es wird immer Leute geben, die sich darüber beschweren, dass der ganze Hype um den Style die Athleten von ihrer Leistung ablenkt. Burrow weiß, dass „einige der Football-Traditionalisten vielleicht ein wenig gegen ihn sind“, wenn er ein Outfit trägt, das als unorthodox angesehen werden könnte – und das der ehemalige Wrangler-Aficionado und „Mannesmann“ im klassischen Sinne, Brett Favre, eher abschätzig betrachten würde. Auf die Frage, ob ihn die Reaktionen und Kommentare stören würden, neigt er nur den Kopf, als ob die Antwort doch auf der Hand liege. „Nein. Überhaupt nicht. Wenn ich mich wohlfühle, wenn ich mich gut fühle, dann gefällt es mir“, sagt er, bevor er sich für eine weitere Serie von Liegestützen hinkniet.
Und obgleich der Fokus zunehmend darauf liegt, die Persönlichkeiten und Leidenschaften der Spieler außerhalb des Stadions hervorzuheben – eine „Helmets-off-strategy“, wie Ian Trombetta, Senior Vice President für Social, Influencer und Content Marketing der NFL, es ausdrückt –, steht der Football nach wie vor an erster Stelle. Letztendlich ist das Spiel der Job.
Joe Burrow von den Cincinnati Bengals
Credit: Getty Images
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„Es ist harte Arbeit. Es ist monoton, aber ich liebe es“, antwortet Burrow auf die Frage, wie sich die Saisonvorbereitung aktuell gestalte. Die Erwartungen sind hoch: Die Bengals verpassten in der letzten Saison mit einer Bilanz von 9:8 die Playoffs knapp, doch Burrow war mit 4.918 Passing Yards und 43 Touchdown-Pässen der beste Spieler der Liga.
Burrow sagt, dass er in der Offseason lediglich „von Tag zu Tag“ denkt, sich aber bewusst sei, dass er ein Gleichgewicht finden und sich eine strengere Routine aneignen muss. „Ich passe meine Trainingsroutine und meinen Reiseplan jedes Jahr an, um herauszufinden, was für meinen Körper am besten ist“, sagt er. „Wenn man keine Routine entwickeln und sich daran halten kann, wird man meiner Meinung nach am Spieltag nicht seine beste Leistung abrufen können. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der keine sehr disziplinierte Routine verfolgt und trotzdem großartig ist. Das heißt nicht, dass es nicht geht, aber für mich wäre es definitiv unmöglich.“
Innerhalb seines täglichen Ablaufs achtet er bewusst auf Dinge wie die richtige Ernährung, Zeit mit Freunden – diesen Sommer könnte die eine gemeinsame Fossilienschatzjagd in Wyoming beinhalten – und wertvolle Auszeiten.
Ob Burrows Zeit abseits des Footballfelds jemals eine aktive Stippvisite in die Modebranche beinhalten könnte? Er sagt: „Vielleicht werde ich, wenn ich etwas mehr Zeit habe, eine Marke gründen, für die ich mit unterschiedlichen Designern zusammenarbeite. Irgendwann wäre das cool.“
Letztendlich basiert Burrows Sichtweise auf die Synergien zwischen Sport und Mode auf der Kreativität, die er beiden Disziplinen als gemein ansieht. „Sie agieren in völlig unterschiedlichen Sphären, aber Designer und Sportler sind beide auf ihre Weise Künstler“, sagt er. „Sie arbeiten mit Stoffen, wir mit unseren Körpern. In dem, was wir tun, steckt viel Kreativität. Es sind definitiv unterschiedliche Bereiche, aber in beiden gibt es sehr kreative Menschen. Es fühlt sich wie eine natürliche Verschmelzung an.“
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